Im Zeichen des Löwen – Porzellan aus Künstlerhand
Porzellan und Kunst – das ist eine untrennbare Verbindung. Und seit es in Europa die fabrikmäßige Produktion von Porzellanen gibt, haben diese auf Wirtschaftlichkeit orientierten Unternehmen immer wieder mit viel Ehrgeiz versucht, neben ihren utilitären Produktzweigen der besonderen, der künstlerischen Gestaltung Platz einzuräumen. Denn die Figur, die von Künstlerhand modelliert ist, die farbige Fassung, die der Kreativität eines Malers entspringt, das Produkt also, das den erklärten Willen transportiert, mehr als funktionsfähig und benutzbar zu sein – das galt und gilt als hohe Weihe, als eine Art Ritterschlag in der Branche. Es beweist eine besondere Liebe und Leidenschaft für das Material, über ökonomische und betriebstechnische Überlegungen hinaus. Und es unterstellt auch eine gewisse visionäre Kraft und den Glauben daran, dass gerade Porzellan eben mehr ist als ein verfügbares Rohmaterial, das man „hernimmt”. Vielmehr, dass es sich um einen faszinierenden, inspirierenden Stoff handelt, der die menschliche Fähigkeit zur transzendierenden Formulierung geradezu herausfordert, der den Sinn für das, was über das Notwendige hinausgeht und eben hinter den Dingen liegt, beflügelt.
Eine Traditionsmarke, die sich mit besonderem Ehrgeiz dem künstlerischen Porzellan widmet, ist das Unternehmen Hutschenreuther: Zwischen der Gründung des damals „Abteilung für Kunst” genannten Unternehmenszweiges 1918 bis zum Jahr 1945 zählt man über 2000 Modelle, die in Zusammenarbeit mit über 75 Bildhauern und Entwerfern auf den Markt kamen. Die Ausstellung „Im Zeichen des Löwen. Porzellan aus Künstlerhand” widmet sich jetzt der Zeit zwischen der Gründung der Hutschenreuther-Kunstabteilung und 1945, als die Produktion kriegsbedingt zum Erliegen kam, ehe man nach dieser Zwangspause den Betrieb wieder aufnahm.
In Oberfranken war Hutschenreuther nach Rosenthal das zweite Unternehmen in Selb, das eine eigene Kunstabteilung und damit eine neue Luxussparte eröffnete. Signum war hier lange, dass man mit der Porzellanfachschule Selb zusammenarbeitete: Unzählige Entwürfe des damaligen Selber Schulleiters und Architekten Fritz Klee wurden realisiert. Folgerichtig übernahm der Institutsleiter Klee, auf den auch die berühmte Firmenmarke des Löwen zurückgeht, zunächst die Hutschenreuther-Kunstabteilung.
Doch der Zuwachs des Unternehmenszweiges war derart, dass man 1922 gleich zwei Vollzeitkräfte einstellte. Mit Carl Werner als künstlerischem und technischem Leiter und Karl Tutter – beides Bildhauer und Modelleure – war die Gründungs- und Orientierungsphase der Kunstabteilung beendet. Die kongeniale Ergänzung von Werner und Tutter, die beide weit über drei, ja fast vier Jahrzehnte im Unternehmen blieben, führte zur Steigerung der hauseigenen Entwürfe. Darüber hinaus begann eine extensivere Zusammenarbeit mit anderen, neuen Künstlern. Darunter Constantin Holzer-Defanti, Lothar Otto, Theo Vos, später Paul Scheurich, Max Esser oder etwa Paul Börner. Während man schon 1922 mit 300 Modellen einen vorläufigen Höchststand erreichte, schrieb sich die Erfolgsgeschichte über das Art Déco fort, als 1927 Julius Vilhelm Guldbrandsen die Dekorabteilung übernahm. Mit den 30er Jahren gewannen naturalistische Tierplastiken und Aktfiguren an Bedeutung gewannen. 1944 wurden die letzten neuen Modelle realisiert.
„Im Zeichen des Löwen. Porzellan aus Künstlerhand” zeichnet mit knapp 300 Exponaten und einem 500-seitigen Katalog einen spannenden Abschnitt der Hutschenreuther Firmengeschichte nach, in der sich eine bewegte, auch künstlerisch von vielen Umbrüchen geprägte Zeit widerspiegelt.
Porzellan und Kunst – das ist eine untrennbare Verbindung. Und seit es in Europa die fabrikmäßige Produktion von Porzellanen gibt, haben diese auf Wirtschaftlichkeit orientierten Unternehmen immer wieder mit viel Ehrgeiz versucht, neben ihren utilitären Produktzweigen der besonderen, der künstlerischen Gestaltung Platz einzuräumen. Denn die Figur, die von Künstlerhand modelliert ist, die farbige Fassung, die der Kreativität eines Malers entspringt, das Produkt also, das den erklärten Willen transportiert, mehr als funktionsfähig und benutzbar zu sein – das galt und gilt als hohe Weihe, als eine Art Ritterschlag in der Branche. Es beweist eine besondere Liebe und Leidenschaft für das Material, über ökonomische und betriebstechnische Überlegungen hinaus. Und es unterstellt auch eine gewisse visionäre Kraft und den Glauben daran, dass gerade Porzellan eben mehr ist als ein verfügbares Rohmaterial, das man „hernimmt”. Vielmehr, dass es sich um einen faszinierenden, inspirierenden Stoff handelt, der die menschliche Fähigkeit zur transzendierenden Formulierung geradezu herausfordert, der den Sinn für das, was über das Notwendige hinausgeht und eben hinter den Dingen liegt, beflügelt. Den ganzen Beitrag lesen »
Tags: Hutschenreuther, Kunstabteilung, Porzellanikon
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