Rosenthal Archiv gerettet
Geschrieben von porzelliner am 29. September 2009 | Abgelegt unter Porzellanstadt Selb
Die Sammlung des Rosenthal-Archivs deckt die 130jährige Firmengeschichte ab und enthält alle jemals von Rosenthal gefertigten Porzellanstücke. Die Kaufsumme für das Rosenthal-Archiv von 1,3 Millionen EUR wurde seitens Rosenthal nicht bestätigt. Das Rosenthal-Archiv wurde von der Oberfrankenstiftung gekauft und als Dauerleihgabe an das Porzellanikon übergeben. Damit ist eine dauerhafte Nutzung durch das Porzellanikon gesichert und die Rosenthal Schätze verbleiben in Selb.
Selb – Sie ist die Hüterin des Schatzes: Petra Werner vom Porzellanikon Selb betreut seit siebzehn Jahren das umfangreiche Archiv der Rosenthal AG. Die Kuratorin kennt sich aus mit den 15 000 bis 20 000 Stücken, die von erstaunlichen Kunst-Raritäten über gängige Rosenthal-Serien bis hin zu zeitgenössischem Werbematerial aus 130 Jahren reichen.
Exponate aus 130 Jahren
Erleichtert und glücklich ist Petra Werner, dass die Oberfrankenstiftung nach dem Verkauf des Unternehmens an die italienische Sambonet-Gruppe diese Kostbarkeiten komplett erworben hat (wir berichteten). “Die Sammlung ist das Archiv der Porzellanindustrie schlechthin, es war sehr wichtig, dass es nicht in alle Winde verstreut wurde.” Der – laut Aussage von Regierungspräsident Wilhelm Wenning – “Schatz von unschätzbarem Wert” ist künftig dem Porzellanikon von der Oberfrankenstiftung als Dauerleihgabe überlassen. “Wir haben jetzt mit Abstand die größte Rosenthal-Sammlung, die es auf der ganzen Welt gibt”, zeigt sich Werner stolz.
“Das einzigartige Fabrik-Archiv ist zum 100. Firmenjubiläum von Rosenthal 1978 eingerichtet worden”, berichtet die Kuratorin. Doch die Bestände reichen viel, viel weiter zurück: Die ältesten stammen bereits aus dem Jahr 1880. “Das Besondere ist, dass wirklich noch alles vorhanden ist. Die gesamte Firmengeschichte wird anhand der Stücke aufgezeigt.”
Namhafte Künstler
Das Archiv umfasst, wie Werner erläutert, sämtliche Produktionsentwürfe, darunter auch viele Originale, die nicht in Serie gingen. So hat etwa Salvador Dali für seine Ehefrau Gala eine Teekanne mit dem Motiv seiner “weichen Uhr” kreiert, die nie in den regulären Verkauf gegangen ist. “In unserer Sammlung ist die Kanne aber in mehreren Farben vorhanden.
Alle namhaften Künstler und Designer haben für Rosenthal gearbeitet und damit ihre Spuren in unserem Archiv hinterlassen”, hebt Petra Werner hervor und zählt nur einige herausragende auf: Walter Gropius, Ferdinand Liebermann, Raymond Loewy, Lucio Fontana, Niki de Saint Phalle, Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Björn Wiinblad, Otto Pine, Friedensreich Hundertwasser und Jörg Immendorff. “Kunst aus allen möglichen Richtungen, alles was formprägend war, haben die Rosenthals hierher gebracht. Zuerst der Senior, später der Junior”, weiß die Porzellanexpertin.
Entwürfe und Skizzen
Nicht nur viele Entwürfe und Freigabemuster aus der Kreativschmiede gehören zu den Exponaten, auch das gesamte Schriftenarchiv ist erhalten: Muster- und Dekorbücher, Künstlerentwürfe und Skizzen. Von Philipp Rosenthal, dem Firmengründer, etwa stammt ein Skizzenbuch, in dem er die damals neuesten Entwicklungen und Anregungen für zeitgemäße Porzellangestaltung festhielt, die er auf Reisen und Messen suchte. Bei Kunstschauen war das Unternehmen aber auch selbst außerordentlich erfolgreich: So sind sämtliche Medaillen komplett vorhanden, die Rosenthal unter anderem auf verschiedenen Weltausstellungen errungen hat.
Suche nach neuer Bleibe
Das Archiv ist derzeit noch in einem Gebäude hinter dem Regenbogenhaus in Selb untergebracht. “Aber wir müssen hier raus”, berichtet Petra Werner. Derzeit laufen die Verhandlungen darüber, wo die Sammlung künftig am sinnvollsten untergebracht werden kann. “1000 Quadratmeter sind dafür notwendig, wenn die Stücke fachgerecht sortiert in Regalen untergebracht werden sollen.”
Die Öffentlichkeit wird keinen Zutritt zu diesem Archiv haben, aber immer wieder einmal Stücke daraus bei Ausstellungen sehen können. Schon bei der großen Schau des Porzellanikons “Königstraum und Massenware” 2010 sind verschiedene Exponate dabei.
Viele Ideen für Ausstellungen
“Jede Menge Themen für Sonderausstellungen aus den Beständen des Archivs fallen mir sofort ein”, sagt die Kuratorin und zählt auf: “Design der 50er Jahre”, denn 1950 stieg Philip Rosenthal junior in das Unternehmen ein und prägte es. “Jugendstil”, “Art Deco” oder “Form 2000″ – ein Service das über 20 Millionen Mal verkauft wurde – sind weitere Ideen für spezielle Schauen. “Da gibt es auf Jahre hinaus Möglichkeiten”, schwärmt Petra Werner.
Auch für Forschungsarbeiten darf die Sammlung genutzt werden: “Die Oberfrankenstiftung wollte beim Ankauf sicher nicht, dass das Archiv danach vor sich hinschlummert.”
Quelle: Frankepost, 05.09.2009














