Historischer Abriss von Teilgebäuden der Ludwigsmühle (Werk A Lorenz Hutschenreuther)

Auf dem Standort einer ehem. Porzellan-fabrik in Selb wurde über mehr als 130 Jahre Gebrauchs- und Zierporzellan hergestellt. Bereits 1859 war hier eine Porzellanherstel-lung auf einem alten Mühlenstandort aufgenommen worden. Nach raschem Aufschwung unter steter Erweiterung der Fabrikationsgebäude wurden in einer ersten Blütezeit der Fabrik ab Ende des 19. Jh. bis zu 14 mehrstöckige Rundöfen betrieben. Nach Stillstandsperioden während und nach dem 2. Weltkrieg wurde nach 1948 die Produktion wieder aufgenommen, eine 2. Blütezeit des Betriebs bis etwa in die 80er Jahre ist durch Errichtung umfangreicher Neubauten und Einführung neuer Technologien belegt.

Etwa 1957 wurde der Porzellanbrand von den Rundöfen auf kontinuierlich arbeitende Tunnelöfen mit Längen von weit mehr als 50 Metern umgestellt. Hierzu war ein Umbau großer Teile der Fabrik notwendig; die Feue-rung dieser Öfen erfolgte zunächst mit Generatorgas, welches ähnlich wie bei der Stadtgasherstellung in den sogenannten Generatorenhäusern durch Verschwelung von Kohle gewonnen wurde. Bei der Gasreinigung fielen dabei als Abfallprodukt PAK- und phenolhaltige Teeröle an, welche entweder in die Umwelt stark belastenden „Teerweihern“ abgelagert wurden oder aber – wie im Fall Selb – über beheizte Leitungen den Kesselhäusern zugeführt und dort verbrannt wurden. Etwa 1975 wurde die Ofenfeuerung auf Erdgas umgestellt. 1995 wurde die Produktion am Standort eingestellt.

Altlastensituation

In der Porzellanindustrie werden nur unter-geordnet Stoffe eingesetzt, welche zu gra-vierenden Bodenverunreinigungen führen können. Hauptverdachtsbereiche sind stets die Standorte ehemaliger Generatorgaserzeugung sowie vereinzelte Ablagerungen von Teerkondensaten. Daneben können – mengenmäßig wenig bedeutsame – schad-stoffhaltige Verbrennungsaschen auftreten und punktuell Belastungen im Feststoff durch Schwer- bzw. Halbmetalle vorwiegend aus Pigmenten.

Wie in jedem Industrie-standort sind handhabungsbedingte Bodenvereunreinigungen begrenzter Größe möglich. Langzeitig angehäufte Werksdeponien („Scherbenhaufen“) finden sich mit großen Kubaturen nahezu bei jedem Standort der Porzellanherstellung. Neben Erdaushub und Bauschutt der Betriebsentwicklung finden sich Kohleschlacken und –aschen der Rundofenfeuerung, Porzellanscherben, ver-brauchte Gipsformen, Weißschlämme sowie Schamottekapseln und Ofenausbruch. Auf dem für eine Folgenutzung vorzubereitenden, 80.000 m² großen Areal wurden die Boden- und Ablagerungsverhältnisse mit Baggerschürfen und Rammkernsondierungen in einem systematischen Aufschlussraster von 25 m untersucht. Zur Zeitersparnis wurden hierbei vorgefundene Bodenverun-reinigungen in einem der Ersterkundung unmittelbar folgenden Schritt lateral und ver-tikal eingegrenzt. Gleichzeitig wurden v.a. um die Werksdeponie Messstellen zur Ge-fährdungsabschätzung für das Grundwasser errichtet.

Quelle: BayLfU / 2007 / Ref. Altlasten, schädliche Bodenveränderungen